Aktuell

Zu schnell in den Tod

 

Kampf gegen illegale Autorennen

 

Dienstag, 12. September, 22.15 Uhr im ZDF

 

Erwischt! Hauptkommissar Rainer Fuchs hat gerade zwei Raser einkassiert, die sich ein illegales Rennen geliefert haben. Er leitet die Sonderermittlungsgruppe "Rennen" der Polizei in Köln.

Allein in den letzten zwei Jahren gab es bundesweit fast 20 schwere Unfälle, die sich eindeutig auf illegale Straßenrennen zurückführen lassen oder bei denen die Polizei in diese Richtung ermittelt. Sieben Menschen starben, 13 wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Die Kölner Polizei hat deswegen eine Sonderermittlungsgruppe „Rennen“ ins Leben gerufen, die nun zu einer festen Institution werden soll.

Leiter der Sondergruppe ist Rainer Fuchs. Der 55-Jährige hat Verständnis für die legale Tuningszene, wie er sie nennt – Menschen, die ihr Auto zu einem Unikat machen möchten, die basteln und schrauben und viel Geld dafür ausgeben. Aber Raserei auf offener Straße? Illegale Straßenrennen? Ein absolutes NoGo für Hauptkommissar Fuchs. Sein Job ist seine Berufung, seine Arbeitszeit die Nacht. „Das Wetter ist gut, Wochenende – da ist die City in Bewegung.“ Rainer Fuchs und sein Kollege Ricky Lüders kommen mit ihren Beschlagnahmungen kaum hinterher. Im Minutentakt quietschende Reifen, aufgemotzte Wagen, röhrende Auspuffrohre. Dass die beiden in dieser Nacht nicht noch mehr als sechs Autos stilllegen, nicht noch mehr als drei Raser erwischen und nicht mehr als ein illegales Straßenrennen stoppen, liegt schlicht am Papierkram, der bei jeder Abschleppaktion erledigt werden muss. Zermürbend. Aber Rainer Fuchs gibt nicht auf bei seinem Kampf gegen illegale Autorennen. Denn er weiß selbst, wie schnell es zu einem Unfall kommen kann. Seine Schwester starb durch einen Verkehrsunfall.

Hasan H. (hinter der roten Mappe) muss sich derzeit vor dem Landgericht Hagen verantworten. Er lieferte sich laut Zeugenaussagen im Mai 2016 mutmaßlich ein illegales Straßenrennen, das einen schweren Unfall verursachte.

37° begleitet Hauptkommissar Fuchs nach Berlin. Dort wird er im Bundestag als Experte zum Gesetzesentwurf befragt. Union und SPD haben sich bereits geeinigt, nun soll bald die Abstimmung stattfinden und das neue Gesetz verabschiedet werden. Dadurch könnten demnächst illegale Straßenrennen nicht mehr nur als Ordnungswidrigkeit – 400 Euro und ein Punkt in Flensburg – gelten, sondern als Straftat, die mit bis zu zehn Jahren Gefängnis geahndet werden kann. Rainer Fuchs findet das richtig. „Sonst steht das ja im Missverhältnis, wenn Menschenleben gefährdet oder sogar ausgelöscht werden und die Täter kommen mit einer Bewährungsstrafe davon“, sagt er.

Ali, Marvin, Timo und Tobias gehören zur Hagener Tuningszene und wissen ganz genau, warum sie mit ihren Autos nicht nach Köln fahren. Da würden die Wagen nämlich sofort einkassiert. Spontane Straßenrennen, behaupten die Tuner, seien für sie absolut tabu.  Aber an der Ampel, so geben sie zu, zucke schon oft der Gasfuß – sie wollen ja nicht in den Auspuff gucken. Das sei ein Männerding, meint Timo, da schalte sich das Gehirn ab und der große Zeh übernehme das Kommando.

Gerade läuft ein Gerichtsverfahren in ihrer Heimatstadt Hagen gegen zwei Raser, die sich im Mai 2016 ein illegales Straßenrennen geliefert haben, mit bösen Folgen: Fünf Schwerverletzte, darunter ein sechsjähriger Junge, der wochenlang im Koma lag. Bei der Gerichtsverhandlung gegen die Täter ist 37° dabei und bekommt sogar den wichtigsten Zeugen des Prozesses vor die Kamera.

„Typen, die sich illegale Rennen liefern und solche Unfälle verursachen, schaden der Szene“, sagen die Hagener Tuningfreunde. Sie gehörten doch zu den Guten – aber die Polizei habe sie auf dem Kieker, würde andauernd versuchen, ihnen die Wagen wegzunehmen, das sei ungerecht, sie wollten doch nichts Böses.

Rainer Fuchs widerspricht dem nicht. Er glaubt aber, dass viele Tuner sich überschätzen. „Schlimm sind vor allem Fahranfänger, die sich ein Tuning gönnen, für ein höheres Selbstwertgefühl“, sagt er. „Die ahnen oft gar nicht, was sie für ein Höllengeschoss steuern. Das können sie oft gar nicht kontrollieren. Im schlimmsten Fall ist das lebensgefährlich.“

37° portraitiert mit diesem Film eine Generation von jungen Männern, die ein Ventil suchen, um auszubrechen aus unserer durchreglementierten Gesellschaft, die Intellekt preist und Gendergleichheit predigt. Sie wollen Macht und Männlichkeit erleben, mit dem großen Risiko einer mangelnden Selbsteinschätzung, die den Rest der Gesellschaft gefährdet.

  

Redaktion: Simone Grabs

 

Spannung vor dem Rennen: Die Tuningfans Ali (im Auto) und Timo warten auf ihren Start beim Viertelmeile-Rennen von Aldenhoven. Hier können sie ganz legal Gas geben.

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