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Mama pflegen - schaffe ich das?

 

Montag, 15. Oktober 2018, 22.10 Uhr im WDR

 

Margarita Krüger kümmert sich neben ihrem Vollzeitjob um die Pflege ihrer an Demenz erkrankten Mutter.

Wenn Margarita Krüger von ihrer Arbeit als Kinderpflegerin in einer Kita in Bottrop nach Hause kommt, setzt sie sich sofort ans Fenster und wartet auf den Bus, der um 16.30 Uhr ihre Mutter von der Tagespflege wieder zurück bringt. „Mama hat immer Angst im Bus“, sagt Margarita Krüger. „Sie befürchtet dann, sie kommt nicht nach Hause zurück, sondern wird irgendwohin weggebracht.“ Deswegen springt Margarete auf, sobald der Bus um die Ecke biegt und läuft ihrer Mutter winkend entgegen. „Hier bin ich, Mama, alles ok, du bist wieder Zuhause!“ Jeden Tag, ab 16.30 Uhr dieselbe Routine, dann ist sie nur für ihre Mutter da, auf die Toilette setzen, waschen, Brote schmieren. An den Wochenenden ist das eine 24-Stunden-Aufgabe.

An guten Tagen gelingt der Ablauf. Dann betont Margarita Krüger, dass sie es ihrer Mutter doch schuldig sei, die schließlich auch ihr immer geholfen habe – früher kümmerte sich die Mutter um die Tochter, heute ist es eben andersrum. An schlechten Tagen gerät Margarita Krüger nah an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Dann ist ihre Mutter kaum zu beruhigen, wenn sie in ihrer Demenz gefangen ist und niemand ihr heraushelfen kann, die Tochter nicht, geschweige denn der Schwiegersohn. „Mein Mann muss ganz schön Rücksicht nehmen“, betont Margarita Krüger. „Mehr als zwei Stunden kann ich meine Mutter nicht alleine lassen. Das wäre zu gefährlich.“ Eine Riesen-Belastung für das Ehepaar, das zwei Kinder groß gezogen hat – der Sohn ist 39, die Tochter 32. „Ich habe das Gefühl, kaum waren meine Kinder groß, kam meine Mutter ins Haus.“ Aber ein Pflegeheim kommt nicht in Frage. So lange es irgendwie geht, möchte sie sich selbst um die Pflege ihrer Mutter kümmern.

 

Margarita Krüger (r.) weiß ihre Mutter bei der Tagespflege gut aufgehoben. Dadurch kann sie ihrem Job nachgehen.

Wie Margarita Krüger geht es Millionen anderen deutschlandweit. Und der Bedarf wächst. Allein in NRW werden derzeit von rund 640.000 Pflegebedürftigen fast Dreiviertel zu Hause versorgt. Nur ein Viertel lebt in Pflegeheimen. Laut einer Prognose des statistischen Landesamtes steigt die Zahl der Pflegebedürftigen in Zukunft deutlich an – die Menschen werden immer älter. Pflege durch die nächsten Angehörigen wird also eine immer größere Rolle spielen. Und damit auch die Frage: Welche Hilfen gibt es? Schaffe ich auch die körperliche Pflege, Toilettengang, Zähneputzen, Verbände anlegen? Wie kann ich verhindern, dass ich an die Grenzen meiner Belastbarkeit komme? Wo bekomme ich finanzielle Unterstützung?

Die Politik erfindet durch die Familienpflegezeit oder das Pflegegeld Konzepte, wie Pflege Zuhause gestärkt werden soll. In der Hier und Heute Reportage berichten Betroffene, wie realistisch solche Konzepte für sie sind und was sie sich noch wünschen würden.

Unterwegs im Westen begleitet Menschen, die sich um ihre Eltern kümmern und die sich einig sind in diesem Punkt: „Wer seine Mutter oder den Vater zu Hause pflegen kann und möchte, soll das auf jeden Fall tun. Aber es ist immer viel Beratung und Unterstützung notwendig, sonst wird man als Pfleger selbst zum Pflegefall.“

 

Redaktion: Stefanie Vollmann und Lena Brochhagen

 

Petra Koch unterstützt ihre pflegebedürftige Mutter im Alltag. Neben ihrem Vollzeitjob ist das eine zusätzliche Belastung, die sie manchmal an ihre Grenzen bringt. Ohne Hilfe, wie die Tagespflege oder eine Haushaltskraft, betont Petra Koch, sei die Pflege der Mutter nicht zu schaffen.

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